2.1.3 Die Gehirnentwicklung von Homo Sapiens
Quellen:
[NH] Simon Neubauer, Jean-Jacques Hublin The evolution of modern human brain shape, 2018 American Association for the Advancement of Science, Science Advances ISSN 2375-2548, https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.aao5961;
[G1] Phillip Gunz Die Evolution des menschlichen Gehirns, Forschungsbericht 2014 Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie,
https://www.mpg.de/8953555/mpi_evan_Jb_2014;
[G2] Phillip Gunz Die ersten unserer Art, Forschungsbericht 2017 Max Planck Institut für evolutionäre Anthropologie, https://www.mpg.de11820357/mpi_evan_jb_2017;
[WZ] www.Spektrum.de/Kompaktlexikon der Biologie/Wildziegen;
[MH] Michael F. Hammer Seitensprünge des Homo Sapiens, Spektrum der Wissenschaft 2013/7;
[KW] Kate Wong Die Letzte ihrer Gattung, Spektrum der Wissenschaft 2019/4;
Wikipedia 2022:
„Steinzeit“, „Stammesgeschichte des Menschen“, „Homo Erectus“, „Neandertaler“, „Denisova Mensch“, „Mensch“, „Neolithische Revolution“, „Göbekli Tepe“, „Hofmeyr-Schädel“, „Liste homininer Fossilien“, „Genfluss archaischer Menschen zu Homo Sapiens“, „Iwo Eleru Schädel“, „Domestizierung in Nordafrika“, „Ziegen“, Sanga-Rinder“, „Hausesel“, „Perlhirse“, „Augenbohne“, „Reis“, „Ile-Ife“.
Homo Sapiens, der moderne Mensch, existiert seit über 300000 Jahren [G1], und da sich in diesem Zeitraum sein genetisch bedingtes Gehirnvolumen scheinbar nicht wesentlich verändert zu haben schien, wurde das lange Zeit als Begründung dafür genommen, das geistige Potential aller heute existierenden ethnischen Gruppen von Homo Sapiens als gleich anzusehen. Noch heute wird vor dem Hintergrund von Rassismusdebatten immer argumentiert, der Unterschied sei nur die Hautfarbe. So einfach ist das aber nicht und wie in Kapitel 3.11.3.4 „Mutationen“ weiter ausgeführt wird, bestehen in vieler Hinsicht genetische Unterschiede zwischen den aktuellen menschlichen Ethnien. Da es hier noch um das Thema „Intelligenzmessung“ geht, soll im Vorgriff auf Kapitel 3.11.3.4 schon darauf
eingegangen werden, dass, wie neuere technische Verfahren der Gehirnvermessung zeigen, das Gehirn und damit die Intelligenz innerhalb der Gattung Homo Sapiens keineswegs über die Zeiten und Räume hinweg eine Konstante ist [G1]. In den letzten 2 Millionen Jahren kam es bei den Vorfahren und Verwandten von Homo Sapiens zu einer dramatischen Volumenzunahme des Gehirns [G1]. Die Annahme, dass das Gehirn sich dann in den anschließenden 300000 Jahren der Existenz von Homo Sapiens plötzlich nicht mehr verändert haben sollte, ist von vornherein vollkommen unplausibel. Schon das Gehirn des Neandertalers zeigt trotz ungefähr gleichen Volumens wie Homo Sapiens einen deutlichen Unterschied bezüglich der Gestalt – es ist mehr in die Länge gezogen [G1]. Dieser Unterschied zeigt sich auch in den Gehirnveränderungen bei Homo Sapiens selbst, seine Gehirnform veränderte sich fortlaufend zu immer kugelförmigerer Gestalt [G2], während das Gesicht sich nur wenig veränderte. Eine kugelförmigere Gestalt führt zu kürzeren Verbindungswegen zwischen den einzelnen Hirnarealen und allein damit schon zu einer schnelleren Impulsübermittlung und höheren Leistungsfähigkeit. Darüber hinaus hat sich noch gezeigt, dass sich auch das Volumen von für die Intelligenz entscheidenden Hirnarealen vergrößert hat.
Neubauer und Hublin [NH] haben anhand von 20 fossilen Schädeln des Homo Sapiens die räumliche Form der darin enthaltenen Gehirne rekonstruiert. Per Computer-Tomographie (CT) wurden zunächst dreidimensionale Modelle der fossilen Hirnschalen erstellt und dabei durch wissenschaftlich allgemein anerkannte Methoden ggfs. fehlende Teile bei den Fossilien rekonstruiert. Danach wurde dann ein räumliches Modell der darin enthaltenen Gehirne berechnet, die sich bei allen Menschen der Hirnschale stets genau anpassen. Zum Vergleich wurden so auch Gehirne des europäischen Neandertalers (ausgestorben vor 40000 Jahren) und das asiatischen Denisova-Menschen (ausgestorben vor 30000 Jahren) rekonstruiert. Dabei wurde der fossile Homo Sapiens in 3 Gruppen aufgeteilt. Gruppe 1 umfasste Individuen aus der Zeit vor 315000 bis 195000 Jahren, Gruppe 2 solche vor 115000 bis 120000 Jahren und Gruppe 3 solche vor 36000 bis 8000 Jahren. Gruppe 1 lag bezüglich der länglichen Form des Gehirns noch zwischen Neandertaler und Denisova-Mensch, Gruppe 2 hatte schon ein deutlich runderes Gehirn, das aber noch außerhalb der Variationsbreite des gegenwärtigen Menschen lag, Gruppe 3 lag mit einer noch kugelförmigeren Gehirnform schon weitgehend innerhalb der Variationen des gegenwärtigen Homo Sapiens, allerdings nicht zentral in dessen Variationsspektrum. Der Übergang von Gruppe 2 zu Gruppe 3 war auch geprägt von Veränderungen des Gesichtsschädels. Aus den Veränderungen der äußeren Form der Gehirne ließen sich nun Rückschlüsse ziehen auf die Veränderungen spezieller Hirnareale. Herausragend waren dabei neben der Vergrößerung des Frontallappens Aufwölbungen des Scheitellappens sowie des Kleinhirns. Der Scheitellappen ist involviert bei Orientierung, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung von Reizen, Sensomotorik, optisch-räumlicher Verarbeitung, Vorstellungsvermögen, Selbstbewusstsein, Arbeitsund Langzeitgedächtnis, Zahlenverarbeitung und Werkzeuggebrauch. Aus der Aufwölbung des Scheitellappens wird geschlossen, dass sich auch der im Spalt zwischen den Hirnhälften liegende Precuneus vergrößert hat. Dieser ist eine bedeutende Schaltstelle für die Gehirnorganisation und ein Knotenpunkt für das Default-Mode Netzwerk, welches Gehirnregionen umfasst, die beim Nichtstun aktiviert werden. Das Nichtstun bedeutet, dass keine körperliche Aktivität stattfindet und der Mensch sich Tagträumen und Planungen hingeben kann. Das Nichtstun gilt auch als Quelle für Kreativität. Das Kleinhirn ist neben Bewegungskoordination und Gleichgewicht auch beteiligt bei Raumverarbeitung, Sprache, Arbeitsspeicher, sozialer Aufmerksamkeit und Gefühlsverarbeitung.
Die Veränderungen dieser Gehirnteile gehen nach Neubauer/Hublin und den dort umfangreich angegebenen Quellen historisch parallel einher mit den archäologisch dokumentierten Verhaltensänderungen hin zum aktuellen modernen Menschen.
Fossile DNA-Untersuchungen zeigen nach Neubauer/Hublin und den dort angegebenen Quellen, parallel zu den morphologischen Gehirnveränderungen und den Verhaltensänderungen, eine evolutionäre Selektion und Fixierung von Genen, die Einfluss haben auf das Nervensystem, das Wachstum der Axonen und Dendriten als Fortsätze der Nervenzellen und die Funktionalität der Verbindungen zwischen den Fortsätzen unterschiedlicher Nervenzellen (Synapsen). Insgesamt geht es also nicht nur um eine Gestaltsveränderung von für die Intelligenz wichtigen Hirnarealen, sondern auch um eine Veränderung von deren Funktionalität.
Die Geschichte der Menschheit beginnt in Afrika. Von der Gattung Homo wird in Abgrenzung von den Vormenschen vor allem seit der Herstellung von Werkzeugen gesprochen, den ersten kulturellen Artefakten. Das älteste archäologisch belegte Werkzeug in Form eines künstlich scharfkantig abgeschlagenen Steines ist 2,6 Millionen Jahre alt. Die weitere Entwicklung menschlicher Kulturen läuft parallel zur morphologischen Entwicklung des Gehirns und der intelligenzbestimmenden Gene. Dabei werden die Steinwerkzeuge über Faustkeile und Messer komplexer, sorgfältiger bearbeitet und auf speziellen Gebrauch hin differenzierter, ein Vorgang der sich über Hunderttausende von Jahren hinzieht. Vor 1,8 Millionen Jahren findet mit Homo Erectus eine erste Auswanderungswelle aus Afrika statt, die sich über Europa, Asien und Südostasien hinzog. Die erste belegte künstliche Feuerstelle ist 1,7 Millionen Jahre alt. Vor 1,2 Millionen Jahren umfasste diese weitverbreitete Art lediglich etwa 55000 Individuen, wie aus genetischen Analysen errechnet wurde. Die von Homo Erectus hergestellten Faustkeile sind komplex bearbeitet, was auf tradierte Kulturen mit nachgewiesenen regionalen Unterschieden schließen lässt. Über das Tragen von Kleidung ist nichts bekannt. Nach neueren Forschungen unterscheiden sich die Homo Erectus zugeschriebenen Individuen Europas, Afrikas und Asiens erheblich. Der Homo Erectus verschwand etwa vor 100 Tausend Jahren und hatte sich weiterentwickelt zum Neandertaler in Europa, dem Nahen Osten und Zentralasien, sowie zum Denisova-Menschen vom Nahen Osten bis Südostasien. Homo Erectus existierte etwa 2 Millionen Jahre lang.
Auch aus Zellexperimenten mit dem Einbringen von Neandertaler-DNA in menschliche Stammzellen und der Beobachtung der anschließenden Entwicklung wurde geschlossen, dass das Gehirn des Neandertalers sich wesentlich vom Gehirn des Homo Sapiens unterscheidet. Die Neandertaler unterschieden sich regional in Lebensweise und Erscheinungsbild. Sie entfachten regelmäßig Feuer und hatten Äxte, Speere und Lanzen, teilweise mit Feuersteinspitzen. Für das Befestigen von Steinteilen an Holz wurde Birkenpech hergestellt. Für das Glätten von Leder wurden Schleifer aus Holz oder Hirschknochen verwendet. Viele Hinweise deuten auf das erstmalige Herstellen und Tragen von Kleidung hin. „Eine deutliche planmäßige Arbeitsteilung und Organisation, eine jahreszeitlich ausgerichtete Spezialisierung auf einzelne Tierarten und saisonale Lagerplätze bezogen auf die ganze Gruppe konnten ausgemacht werden“. Es wurde Schmuck hergestellt und der Köper bemalt. Sie halfen verletzten oder kranken Mitgliedern der Gruppe und führten teilweise Bestattungen durch. Behausungen waren teils Höhlen, teils künstliche Schutzbauten aus Ästen, Zweigen oder Mammutknochen. Es gab Massen- und Großwildjagden durch größere Horden, die Möglichkeiten zur Fleischkonservierung zur Voraussetzung hatten. Die meisten Neandertaler wurden nur 20 bis 30 Jahre alt, lebten in Gruppen von 50 bis 60 Personen und es gab in Europa (nach Jean-Jacques Hublin) maximal 10 Tausend Neandertaler gleichzeitig. Der Neandertaler existierte etwa 200 Tausend Jahre lang.
Die spärlichen Funde von Zähnen oder Knochenteilen des Denisova-Menschen lassen wenige Rückschlüsse zu. Genetische Untersuchungen lassen ihn als Schwestergruppe des Neandertalers erscheinen.
Parallel zum Neandertaler und Denisovaner in Europa und Asien hatte sich in Afrika vor über 300 Tausend Jahren der Homo Sapiens aus dem Homo Erectus entwickelt. Teile des Homo Sapiens verließen Afrika und erreichten vor 90 Tausend Jahren den Nahen Osten und vor 45 Tausend Jahren Europa. Homo Erectus und Neandertaler haben bis zu ihrem Verschwinden eine Jahrhunderttausende lange Entwicklung durchgemacht, in der sehr wenig kulturelle Veränderung stattfand. So war es zunächst auch bei Homo Sapiens, dessen Leben sich kaum von seinen Vorgängern unterschied. Dies änderte sich drastisch mit der sogenannten Neolithischen (jungsteinzeitlichen) Revolution, die vor 20 bis 14 Tausend Jahren begann und eher evolutionären als revolutionären Charakter hatte. Der Begriff Revolution rührt von den damit verbundenen einschneidenden Veränderungen her. Über Jahrmillionen war der Mensch mit seinen Vorfahren umherstreifender Jäger und Sammler – jetzt wurde er zum sesshaften Bauern mit weitreichenden Veränderungen seines Lebens. Ackerbau, Viehzucht und Vorratshaltung begannen. Damit verbunden waren neue Werkzeuge, eine weit vorausplanende Lebensführung mit Beobachtung des Sonnenstandes zur Jahreszeitenbestimmung, neue Bauwerke wie die 11000 Jahre alten Kornspeicher von Bab edh-Dhra in Jordanien, die Herstellung von Keramik und Bewässerungsanlagen sowie auch weitgehende Veränderungen im sozialen Bereich, wie z.B. das Verfestigen des Eigentumsbegriffs und das Entstehen sozialer Schichten. Erste Großbauten für Kultzwecke wurden errichtet, wie die 10 Tausend Jahre alte Anlage von Göbekli Tepe in der Türkei, die auf eine gewisse Sesshaftigkeit hindeutet, wobei hier allerdings noch davon ausgegangen wird, dass Getreide nicht angebaut, sondern als Wildgetreide geerntet wurde. Ungefähr 200 T-förmige Säulen von bis zu 6 Metern Höhe und je 20 Tonnen Gewicht mit zahlreichen teils nahezu vollplastischen und wirklichkeitsgetreuen Tierreliefs markieren einen unglaublichen kulturellen Sprung gegenüber den vorangegangenen umherstreifenden Wildbeuterkulturen. Gegenüber den vorangegangenen vielen Jahrhundertausenden der überwiegenden Stagnation folgte nun eine bis heute anhaltende Phase der sich in immer größerem Tempo einstellenden Innovationen und kulturellen Veränderungen. Diese weitere Entwicklung wird in Kapitel 3 dargestellt.
Was sind nun die Ursachen der Neolithischen Revolution mit Sesshaftigkeit, Ackerbau, Viehzucht und einer beginnenden rasanten Kulturentwicklung, die sich deutlich von den Jahrhundertausenden davor unterscheidet, wo sich nur sehr wenig verändert hat? Liest man diesbezüglich bei Wikipedia 2022 „Neolithische Revolution“ nach, so findet man dort eine Fülle teils widerstreitender Theorien. Was dort nicht formuliert oder angedeutet wird, ist jedoch die Tatsache, dass die menschliche Intelligenz in dieser Zeit gegenüber den Vorgängerkulturen deutlich gestiegen ist, bzw. dass für die seit der Neolithischen Revolution zahlreichen neu aufgetauchten Kulturleistungen ein deutlich höheres Maß an Intelligenz erforderlich gewesen ist.
Dieser Zusammenhang zwischen Neolithischer Revolution und Intelligenzentwicklung wird bestätigt durch die Untersuchungen des menschlichen Gehirns durch Haier (Kap. 2.1.2) einerseits sowie Neubauer und Hublin [NH] andrerseits. Haier dokumentierte den Zusammenhang zwischen den für die Intelligenz wichtigen Hirnarealen und deren Volumen. Neubauer und Hublin zeigten in 3 Stufen, wie im Laufe der Evolution innerhalb der Art Homo Sapiens diese Hirnareale sich morphologisch, genetisch und insbesondere hinsichtlich des mit der Intelligenz gekoppelten Volumens verändert haben. Die letzte Stufe 3 dieser Änderungen in der Zeit von vor 36 Tausend Jahren bis 8 Tausend Jahren, mit der Homo Sapiens den Variationsbereich des heutigen menschlichen Gehirns und damit annähernd die Intelligenz des heutigen Menschen erreicht hat, geht einher mit dem Beginn der Neolithischen Revolution vor 20 bis 14 Tausend Jahren.
Vorausgegangen war die Auswanderung des Homo Sapiens aus Afrika, wobei er den vorderen Orient vor 90 Tausend Jahren und Europa vor 45 Tausend Jahren erreichte. Diese neolithische Revolution fand in ihrem vollen Umfang nicht in Afrika statt, sondern zuerst und in vollem Umfang im vorderasiatischen Raum. Unabhängig davon fand der Übergang zum Ackerbau in China 7000 v.Chr. statt, in Neu-Guinea 7000-6000 v.Chr., in Mexiko und Südamerika 3000-2000 v.Chr. und in Südafrika überhaupt nicht. Nach Europa wurde die neolithische Revolution aus dem Nahen Osten zusammen mit einer Einwanderung transferiert.
„Insgesamt setzt die Landwirtschaft in Ägypten relativ plötzlich um 5200 v.Chr. mit der Ankunft eines kompletten Bündels aus domestizierten Pflanzen und Tieren aus Vorderasien ein“. Auch hier wird in diesem Zusammenhang eine menschliche Einwanderung aus dem Nahen Osten vermutet. In Nordafrika ist die Situation komplexer und teilweise ungeklärt. Die Wildziege ist auch im nördlichen Afrika beheimatet, wurde aber nur im Nahen Osten und im Iran domestiziert und von dort als Hausziege nach Afrika exportiert [WZ]. Wildschafe (Mufflons) gab es in Afrika nicht, die aus den Mufflons domestizierten Hausschafe stammen ebenfalls aus dem Nahen Osten und wurden von dort nach Afrika exportiert. Wildschweine sind in Afrika zahlreich, die dortigen Arten (Buschschweine, Pinselohrschweine, Warzenschweine, Riesenwaldschweine) konnten aber nicht domestiziert werden. Die Hausschweine Afrikas stammen ebenfalls aus dem Nahen Osten. „So stammen afrikanische Rinder zunächst von einem im Nahen Osten domestizierten Auerochsen ab. Nach ihrer Einführung in Ägypten vor etwa achttausend Jahren verbreiteten sie sich über die damals noch grüne Sahara bis nach Westafrika. Die nordafrikanischen Hirten haben ihre Hausrinder mit wilden afrikanischen Auerochsen verschiedener regionaler Rassen sowohl in väterlicher als auch in mütterlicher Linie über lange Zeit gekreuzt …“. Nach DNA-Untersuchungen stammt der Hausesel vom in Nordafrika beheimateten Wildesel ab. Domestiziert wurde er aber 4000 v.Chr. in Ägypten und in Mesopotamien. Die Altweltkamele stammen aus Zentralasien und Arabien, wurden dort domestiziert und gelangten später nach Afrika. Kleintiere wie Biene, Gans, Ente, Huhn, Taube, Katze und Hund wurden weitgehend in Ägypten domestiziert. Damit kann zusammenfassend gesagt werden, dass die Domestikation von Tieren weitestgehend nicht im außerägyptischen Afrika stattfand, obwohl viele der Wildformen dort in der damals grünen Sahara vorhanden waren.
Etwas anders sieht es möglicherweise beim Anbau von Pflanzen aus. In Äthiopien, der Sahelzone und Westafrika wurden folgende heimischen Pflanzen als Nahrungspflanzen angebaut: seit 3000 Jahren diverse Hirsearten, seit 3700 Jahren Augbohnen, seit 2000 bis 3000 Jahren afrikanischer Reis, Ölpalme, Yams, Ensete, sowie die Genuss- und Drogenpflanzen Kath und Kola. Allerdings ist möglicherweise auch hier wie in Ägypten ein Einfluss aus dem Nahen Osten in Betracht zu ziehen. Zumindest ist auffallend, dass die in Westafrika (Mali und Ghana) vor etwa 3750 Jahren erfolgte Einführung von Ziegen und Schafen aus dem Nahen Osten und dem Iran unmittelbar der Zucht einheimischer Pflanzen voranging. Das legt nahe, dass mit der Tierzucht auch der Gedanke der Pflanzenzucht aus dem Osten auf dem Weg über Äthiopien und die Sahelzone importiert wurde, wofür allerdings ein schlüssiger Beweis fehlt. Ein weiterer Hinweis darauf ist aber der Gründungsmythos der heiligen Stadt Ile-Ife des Yoruba-Sprachraumes in Nigeria, gemäß dem die Vorfahren einst aus Mekka gekommen sein sollen. Dieser Gründungsmythos wird gestützt durch entsprechende kulturelle Parallelen, die eine Einwanderung vor 2600 Jahren aus dem Vorderen Orient nahelegen.
Neben Ackerbau und Tierhaltung ist auch das Vorhandensein von Keramik ein primäres Kennzeichen der neolithischen Revolution, da Keramik zur Vorratshaltung notwendig ist. Eine im Gebiet des heutigen Mali gefundene 12000 Jahre alte Tonscherbe kann allerdings nicht als Beweis für eine in Westafrika unabhängig stattgefundene Neolithische Revolution gewertet werden. Keramik findet sich auch bei teilsesshaften Jäger- und Sammlerkulturen.
Die vollausgeprägte Neolithische Revolution im Nahen Osten fiel also zeitlich zusammen mit der Entwicklung der Intelligenz des Homo Sapiens auf eine Stufe, die annähernd der heutigen Variationsbreite der Intelligenz entspricht. Dies ist ein naheliegendes Erklärungsmodell für die im Vergleich zur vorangegangenen Evolution seitdem sprunghaft angestiegenen geistigen Leistungen des Homo Sapiens. Diese höchste durch die Gehirnform genetisch fixierte Entwicklungsstufe der Intelligenz wurde nach der Auswanderung des Homo Sapiens aus Afrika erreicht, nicht aber in Afrika, wie die Untersuchungen von Neubauer/Hublin [NH] zeigen. Die von ihnen untersuchten Schädel der Gruppe 3 mit der höchsten Intelligenz aus der Zeit vor 36000 bis 8000 Jahren fanden sich nämlich bis auf eine Ausnahme alle im Nahen Osten und Europa.
Interessant ist dabei die eine Ausnahme – sie stammt aus Südafrika nahe der Ortschaft Hofmeyr. Gemäß Wikipedia 2022 „Hofmeyr-Schädel“ wurde der Schädel 2007 von einer internationalen Forschergruppe noch einmal untersucht. Diese kam zum Ergebnis, dass dieser 36000 Jahre alte Schädel (Anm.: mit hoher Intelligenz) dem gleichaltriger europäischer Funde gleicht. Weiter wird dazu bemerkt: „Er unterscheidet sich aber stark von den Schädeln heute lebender subsaharischer Afrikaner, einschließlich der Khoisan; gleichfalls unterscheidet er sich von allen bekannten, jüngeren archäologischen Schädelfunden aus der Region. Die Forscher deuten diese Sonderstellung als eine unabhängige Bestätigung jener genetischen Untersuchungen zur Ausbreitung des Menschen, die darauf hinweisen, dass der moderne Mensch vom subsaharischen Teil Afrikas aus vor rund 40.000 Jahren die Alte Welt besiedelte (Out-of-Africa-Theorie)“. Das Fehlen weiterer und späterer Funde von afrikanischen Homo Sapiens in dieser letzten Entwicklungsstufe des Gehirns (Gruppe 3 nach Neubauer/Hublin) bedeutet
also, dass der afrikanische Homo Sapiens in Afrika diese Entwicklungsstufe nicht erreicht oder nach der Auswanderung (oder dem Untergang) der Gruppe um den Hofmeyr-Menschen wieder verloren hat. In welchem Ausmaß dabei neben der Auswanderung ein vielfach bestätigter Genfluss von unbekannten weniger entwickelten archaischen Menschentypen in die Homo Sapiens Populationen Schwarzafrikas eine Rolle gespielt haben könnte, ist nicht ausreichend erforscht. Jedenfalls gilt heute als sicher, dass in Afrika parallel zu Homo Sapiens noch lange Zeit viel ältere Menschengruppen existierten, die oft über längere Zeit isoliert lebten und sich dann wieder mit Gruppen des Homo Sapiens mischten. So wurde im nigerianischen Iwo Eleru in einer bis vor 3500 Jahre besiedelten Höhle ein nur 13000 Jahre alter Schädel gefunden, der „wie eine Zwischenform zwischen dem Schädel eines archaischen und eines modernen Menschen“ wirkt [MH]. Im genetischen Erbe des Yoruba-Volkes in Westafrika gehen 8% auf eine bislang unbekannte archaische Menschenart zurück [KW]. Einen derartigen Genfluss hat es auch in Europa und Asien vom Neandertaler und vom Denisova-Menschen hin zum Homo Sapiens gegeben. Dieser soll je nach Population 1 bis 4% Übereinstimmung mit der DNA des Neandertalers in Europa und 1 bi 8% mit der des Denisova-Menschen in Asien zeigen. 300 Tausend bis 50 Tausend Jahre alte Schädel des asiatischen Denisova-Menschen zeigen wie der Homo Sapiens evolutionäre Vergrößerungen des Gehirns [KW].
Die ältesten von Neubauer/Hublin untersuchten Schädel des Homo Sapiens in der Gruppe 1 aus der Zeit vor 315 bis 195 Tausend Jahren stammten alle aus Afrika, die der Gruppe 2 mit der höheren Intelligenz aus der Zeit vor 120 bis 115 Tausend Jahren fanden sich im Zuge der Auswanderung aus Afrika bereits im alle Nahen Osten und die der Gruppe 3 mit der höchsten Intelligenz fanden sich vor 36 bis 8 Tausend Jahren alle im Nahen Osten und Europa (Ausnahme Hofmeyr s.o.). Schwarzafrika ist also bei der dreihunderttausend-jährigen Entwicklung des Homo Sapiens geistig auf der Stufe der ersten 100- bis 150-tausend Jahre stehen geblieben. Dies stimmt überein mit der Tatsache, dass für Schwarzafrikaner ein mittlerer Intelligenzquotient von 70 (psychometrischer IQ) bis 75 (SAS IQ) ermittelt wird (siehe Kapitel 2.2.3 Geistige Fähigkeiten), für Europa dagegen ein IQ von 100.
Für Nordafrika stellt sich die Situation heute anders dar, da es hier seit 2500 Jahren fortwährende ethnische Veränderungen gegeben hat. Als Beispiel seien die Besiedlungen durch die Phönizier, die Griechen, die Römer und die Vandalen genannt sowie die Muslimisierung mit arabischen Einwanderern.
Vor allem in Talkshows und journalistischen Beiträgen, aber auch in wissenschaftlichen Veröffentlichungen, findet man oft das Argument, die Intelligenzunterschiede zwischen den Ethnien seien viel geringer als die Intelligenzunterschiede zwischen den Individuen innerhalb einer Ethnie, und daher seien die Intelligenzunterschiede zwischen den Ethnien ohne nennenswerte Bedeutung.
Richtig ist, dass z.B. die schwarze Bevölkerung in den USA einen mittleren IQ von 85 hat, die weiße Bevölkerung einen mittleren IQ von 100. Die Differenz ist 15. In der weißen Bevölkerung befindet sich z.B. jemand (oder auch viele) mit einem IQ von 50 und jemand (oder auch viele) mit einem IQ von 150. Die Differenz ist 100. Bei oberflächlicher Betrachtung scheint nun die Differenz 15 gegenüber der Differenz 100 unbedeutend zu sein. Ein fundamentaler systematischer Fehler führt hier aber zu einem drastischen Fehlurteil. Die Differenz 15 ist die Differenz zwischen den Mittelwerten zweier Bevölkerungsgruppen, die Differenz 100 ist die Differenz zwischen zwei Individuen. Das kann man genauso wenig sinnvoll miteinander vergleichen wie die Unterschiede zwischen zwei Kartoffelkisten und zwei Kartoffeln.
Entscheidend ist: In einer Bevölkerungsgruppe mit einem mittleren IQ von 85 haben nur 2,28% dieser Gruppe einen IQ, der höher als 115 ist. In einer Gruppe mit einem mittleren IQ von 100 dagegen haben 15,86% einen IQ oberhalb von 115, das sind 7 mal so viele (zur Berechnung siehe Kapitel 2.2.6). Die entscheidenden Träger und Fortentwickler der weltweiten wissenschaftlichtechnischen Zivilisationen sind aber die Menschen mit einem IQ oberhalb von 115! Dies wird in Kapitel 2.2.6 genauer ausgeführt. Noch drastischer fällt die Situation für Schwarzafrika aus mit einem mittleren IQ von bestenfalls 75. Hier liegt der Anteil mit einem IQ von mehr als 115 bei lediglich 0,38%, was viel zu wenig ist, um irgendeine Form einer wissenschaftlich technischen Zivilisation begründen oder tragen zu können – wie die schwarzafrikanische Realität zeigt.